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2003-10-30: für alle Steuerpflichtige

Tipps zur Begrenzung der Spekulationsgewinne bei Wertpapieranlagen

 Da die Spekulationsfrist von einem Jahr weiterhin beachtet werden muss, haben wir nachfolgend einige Tipps zusammengestellt, die zur Reduzierung der Steuern auf private Veräußerungsgewinne beitragen sollen.
 
¬ Fr√ľher unterstellte die Finanzverwaltung, dass die zuletzt gekauften Wertpapiere ‚Äď etwa Aktien der Siemens AG ‚Äď zuerst verkauft wurden. Mit Urteil vom 24.November 1993 (BStBl 1994 II,591) hat der BFH dagegen entschieden, dass ein Spekulationsgewinn nur entsteht, soweit mehr Aktien der Siemens AG verkauft werden als vor einem Jahr im Depot waren. Wenn nicht mehr Siemensaktien verkauft werden als vor einem Jahr im Depot waren, entsteht also kein Spekulationsgewinn.
 
¬ Wenn nur ein Teil der verkauften Siemensaktien mehr als ein Jahr im Depot vorhanden war, f√§llt nur bei den √ľbrigen Siemensaktien ein Spekulationsgewinn an. In diesem Fall wird der Spekulationsgewinn aufgrund der durchschnittlichen Anschaffungskosten f√ľr die √ľbrigen Siemensaktien berechnet.
 
¬ Die vom BFH eingef√ľhrte Durchschnittswertmethode bei der Verwahrung der Wertpapiere in einem Sammeldepot f√ľhrt im Ergebnis dazu, dass dem Steuerpflichtigen ein bestimmter Anschaffungspreis aufgezwungen wird. Zur Vermeidung eines √ľberh√∂hten Spekulationsgewinns bleibt dem Steuerpflichtigen derzeit nur die M√∂glichkeit, eine Wertpapierverwahrung zu w√§hlen, die eine Individualisierung der einzelnen Papiere erm√∂glicht. Zu diesem Zweck k√∂nnen mehrere Anlagekonten oder Depots eingerichtet werden. Wenn dann jeweils die am teuersten eingekauften Wertpapiere zuerst verkauft werden, verringern sich die Spekulationsgewinne wesentlich. Gleiches gilt f√ľr Wertpapiere, die im Betriebsverm√∂gen gehalten werden, beispielsweise als R√ľckdeckung f√ľr Pensionszusagen. Wenn diese Wertpapiere eines Tages nach und nach verkauft werden, um die Pensionen auszuzahlen, k√∂nnen zuerst die ‚Äěteuer‚ÄĚ eingekauften Papiere ver√§u√üert werden. Auf diese Weise bleiben die im betrieblichen Wertpapierverm√∂gen enthaltenen stillen Reserven l√§nger erhalten.
 
Bei Eheleuten die Freigrenze doppelt nutzen  
¬ Spekulationsgewinne bis zum Betrag von 511,99 ‚ā¨/Kalenderjahr bleiben steuerfrei (¬ß 23 Abs.3 EStG). Wenn m√∂glich, sollte also versucht werden, diese Grenze einzuhalten.
 
¬ Bei zusammen veranlagten Ehegatten steht die Freigrenze von 511,99 ‚ā¨ jedem Ehegatten f√ľr die eigenen Eink√ľnfte zu. Es wirkt sich daher g√ľnstig aus, wenn Eheleute ein gemeinschaftliches Wertpapierdepot unterhalten. In diesem Fall werden die Spekulationsgesch√§fte jedem Ehegatten zur H√§lfte zugerechnet, so dass gemeinsame Spekulationsgewinne der Eheleute bis zu 2 x 511,99 ‚ā¨ = 1.023,98 ‚ā¨ steuerfrei bleiben.
 
Spekulationsverluste vor dem Jahresende realisieren  
¬ Verluste aus privaten Ver√§u√üerungsgesch√§ften, die im Jahr 2003 nicht mit Gewinnen aus privaten Ver√§u√üerungsgesch√§ften ausgeglichen werden k√∂nnen, d√ľrfen in das Jahr 2002 zur√ľckgetragen oder in den Jahren nach 2003 mit Gewinnen aus privaten Ver√§u√üerungsgesch√§ften verrechnet werden. Deshalb lohnt es sich, das Wertpapierdepot vor dem Jahresende 2003 zu √ľberpr√ľfen, um zu kl√§ren, ob durch eine Umschichtung von Wertpapieren, die weniger als 1 Jahr im Depot liegen, Spekulationsverluste realisiert werden k√∂nnen. Das gilt auch f√ľr Aktienfonds, die in den letzten 12 Monaten erworben wurden.
 
¬ Weil Spekulationsverluste unbegrenzt vorgetragen werden d√ľrfen, lohnt es sich, wann immer es m√∂glich ist, Vorratsspekulationsverluste anzulegen, indem Wertpapiere, deren Wert in den ersten 12 Monaten nach dem Kauf gefallen ist, in √§hnliche Papiere umgeschichtet werden. Diese Spekulationsverluste d√ľrfen dann im vorangegangenen, im laufenden oder in den folgenden Jahren mit Spekulationsgewinnen verrechnet werden. Steuerpflichtige, die im Jahr 2003 bewusst hohe Spe¬≠kula¬≠tions¬≠ver¬≠luste produzieren, k√∂nnen damit z.B. auch Spekulationsgewinne neutralisieren, die im Jahr 2002 angefallen sind.
 
 Auch durch einen Verkauf an die Ehefrau lassen sich Spekulations­verluste realisieren, vorausgesetzt dass der Verkauf in allen Details wie unter fremden Dritten abgewickelt wird. In solchen Fällen ist ein Streit mit dem Finanzamt allerdings vorprogrammiert, so dass diese Variante nur im Notfall gewählt werden sollte, etwa wenn bestimmte Wertpapiere nicht in fremde Hände fallen sollen.
 
Halbeink√ľnfteverfahren  
¬ F√ľr Gewinne und Verluste aus privaten Ver√§u√üerungsgesch√§ften i.V.m. Aktien und Aktienfonds inl√§ndischer Kapitalanlagegesellschaften gilt seit 2002 das Halbeink√ľnfteverfahren, d.h. diese Gewinne und Verluste werden steuerlich nur zur H√§lfte angesetzt. Das Halbeink√ľnfteverfahren gilt bei Aktiengesellschaften mit abweichendem Wirtschaftsjahr allerdings erst nach Ablauf des Gesch√§ftsjahres 2001/2002.
 
 Beispiel: Bei Infineon endet das Geschäftsjahr 2001/2002 am 30.September 2002. Spekulationsverluste mit Infineonaktien, die vor dem 1.Oktober 2002 realisiert wurden, wirken sich steuerlich also zu 100% aus und nicht nur zur Hälfte (§ 3 Nr.40j EStG i.V.m. § 52 Abs.4a Nr.2 EStG).
 
Einkommensteuerbescheide offen halten  
¬ Da das Bundesverfassungsgericht demn√§chst dar√ľber entscheiden wird, ob die Besteuerung der Spekulationsgewinne aus privaten Wertpapiergesch√§ften m√∂glicherweise verfassungswidrig ist, ergehen die Einkommensteuerbescheide insoweit vorl√§ufig nach ¬ß 165 Abs.1 AO. Einspr√ľche i.V.m. der Besteuerung der Spekulationsgewinne aus privaten Wertpapiergesch√§ften sind also nur in F√§llen erforderlich, in denen der Einkommensteuerbescheid diesen Vorl√§ufigkeitsvermerk nicht enth√§lt (BStBl 2003 I,402).
 

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